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Frühjahrsmüdigkeit - besänftige dein Kapha

Die letzten Wochen waren ganz schön anstrengend für mich. Ich fühle mich träge und müde. Mich zu motivieren fällt mir viel schwerer als sonst und mein Gewicht schwankt ganz schon nach oben. Ich schätze sowas bezeichnet man als Frühjahrsmüdigkeit. 

Aber wie kommst sie zustande und was kann ich dagegen tun?

Nicht nur mir gehts so. Mich erreichten auf Instagram in den letzten Tagen mehrere Fragen zu diesem Thema. Darum möchte ich mich jetzt mal ausführlich damit beschäftigen und mit dir teilen, was du aus ayurvedischer Sicht dagegen tun kannst. 

 

Wie erklärt der Ayurveda Frühjahrsmüdigkeit?

 

Ich möchte hier nicht zu weit ausholen, sonst wird dieser Text endlos lang. Wenn du ganz neu im Thema Ayurveda bist, lad dir doch einfach mein Ebook runter, und ließ dort die Grundlagen des Ayurveda nach. Das Ebook bekommst du kostenlos bei der Newsletteranmeldung. 

Jede Jahreszeit ist im Ayurveda einem Dosha zugeordnet. Der Winter ist Vata-Zeit. Es ist kalt und windig. Frühling dagegen ist Kapha-Zeit. Es ist die Zeit des Erwachens. Alles beginnt zu sprießen. Wir Menschen sind teil der Natur und so spüren auch wir diesen saisonalen Wechsel in uns. Der Übergang von Vata zu Kapha kann für manche Menschen ganz schön holprig sein. Und auch die Kapha-Zeit an sich bringt Schwere und mit sich. Dies merken vor allem Menschen, die viel Kapha in ihrem Prakriti (Grundkonstitution) haben (so wie ich), oder Menschen, die grad ohnehin gegen eine Kapha-Störung kämpfen. 

In der "Charaka Samhita", einem der klassischen ayurvedischen Lehrbücher, heißt es:

"Im Frühjahr wird auch die Wärme der Sonne das im Winter angehäufte Kapha Körper verflüssigt."

 

Was für Symptome bringt Kapha-Energie mit sich?

 

Kapha ist das Strukturprinzip. Es setzt sich zusammen aus den Elementen Wasser und Erde, bringt Stabilität und ist für Aufbau und Wachstum zuständig, in der Natur und auch in uns. Das ist jetzt erstmal per se nicht Schlechtes. Ganz im Gegenteil. 

Kommt es aber zu einem Überschuss an Kapha in uns, sind Müdigkeit, Trägheit, Antriebslosigkeit bis zur Lethargie die Folge. Wir fühlen uns schwer, sind schneller müde und können uns schlecht motivieren, vor allem wenn es körperlich anstrengend wird. 

Emotional kann eine trübe Stimmung, Traurigkeit oder Gleichgültigkeit hinzu kommen. Körperlich merken wir Probleme mit dem Gewicht. Wir nehmen leicht zu oder schwer ab. Auch neigt der Körper zu Erkältungen, Allergien und Verschleimung. Auch Ödeme, also Wasserablagerungen an den Knöcheln können auftreten.

 

Was kannst du jetzt für deinen Körper tun?

 

Schauen wir zuerst auf die Ernährung. Kapha ist mit einem nicht besonders starken Agni, dem Verdauungsfeuer, vergesellschaftet. Das heißt, es ist jetzt besonders wichtig, leicht verdauliche und vor allem warme Speisen zu dir zu nehmen um dein Agni nicht noch mehr zu belasten. Leichte Gemüsesuppen sind zum Beispiel sehr gut. Unterstützen kannst du dein Agni mit Gewürzen wie Ingwer, Kreuzkümmel und Pfeffer. Jetzt darf es auch gern mal ein wenig Chili sein. Schwer Verdauliches wie frittiertes Essen oder rohe Lebensmittel wie Salat können Kapha eher erhöhen. Kapha-Menschen mögen es sehr gern süß, aber grade das verstärkt auch wieder dein Kapha. Im Ayurveda sagt man gern: "Gleiches zieht Gleiches an, Unterschiede führen zu Balance". Also meide jetzt eher zu süße Lebensmittel. 

Eiskalte Getränke oder Speisen, wie zum Beispiel Eis (ja, ich weiß das ist gemein!) solltest du jetzt ebenfalls eher meiden, da Sie Agni nur weiter reduzieren. Du kannst dir das so vorstellen wie ein Lagerfeuer, dass nur noch leicht vor sich hin kokelt. Darüber etwas zu grillen ist schon schwer. Jetzt schüttest du noch ordentlich kaltes Wasser drüber. Was passiert? Genau, Würstchen gibts heute mal roh. Eine Alternative für kalte Getränke ist das heiße Wasser, das im Ayurveda ohnehin empfohlen wird (warum, erfährst du hier). Auch Kräutertees sind gut für dein Agni. Jetzt darf es sogar mal ein anregender Tee sein wie schwarzer oder grüner Tee. Bei Chai oder anderen Teesorten, die mit Milch gemischt werden, solltest du vorsichtiger sein. Milch verschleimt und alles was schleimig ist erhöht Kapha wieder. Wenn du nicht verzichten willst, kannst du alternativ eine Pflanzenmilch (ja ich weiß es heißt dann nicht Milch) nehmen. Entscheide dich nur hier nicht unbedingt für Kokosmilch, da diese wieder kühlende Eigenschaften hat und was wir aktuell brauchen ist Wärme. 

Bewegung ist jetzt oberstes Gebot um Kapha loszuwerden. Dadurch aktivierst du deinen Stoffwechsel. Such dir hier eine Art der Bewegung, die dir Spaß macht. Es macht keinen Sinn, wenn du dir vornimmst jetzt wieder regelmäßig zu Joggen, wenn du Joggen hasst. Dann ist nämlich ganz schnell wieder vorbei damit. Geh Radfahren, Schwimmen oder einfach nur im Wald spazieren. Jede Bewegung tut gut und holt dich aus der Kapha-Energie.

Im Yoga sind dynamische Stile wie Vinyasa jetzt toll. Auch Kundalini-Yoga kann den Dunst von Kapha ganz ordentlich vertreiben. Du darfst jetzt schön ins Schwitzen kommen. Und bleib achtsam bei dir und schau, ob du dich nicht noch en wenig mehr fordern kannst. Sind wir in der Kapha-Energie neigen wir schnell dazu zu früh aufzugeben und uns lieber mal in der Stellung des Kindes auszuruhen. Als Pranayama-Form bringt Kapalabhati jetzt ganz viel Energie. 

In der Kapha-Zeit sind Reinigungstechniken besonders wichtig, weil wir dazu neigen besonders viel Ama abzulagern. Schau doch mal, ob du etwas wie Zungeschaben oder Ölziehen in deinen Morgen einbauen kannst. Willst du mehr über Morgenroutinen wissen, dann schau mal hier vorbei. Eine Massage mit einem Rohseidenhandschuh, eine sogenannte Garshan-Massage ist besonders Kapha-reduzierend. Ich nutze hierfür eine Bürste, weil ich vegan lebe und keine Seide nutzen möchte. Geht genauso gut. Schau mal dir doch mal meinen Artikel übers Trockenbürsten an um mehr darüber zu erfahren. 

 

Brauchen Geist und Seele jetzt auch mehr Zuwendung? 

 

Sicher kennst du den Begriff Frühjahrsputz. Wenn die Tage wieder länger werden und mehr Licht in unseren Alltag kommt, sind wir immer ganz motiviert unsere Wohnung zu putzen. Aus ayurvedischer Sicht ist das eine gute Angewohnheit. Ich würde sogar noch etwas weiter gehen. Jetzt ist genau die richtige Zeit um dein Leben und somit deinen Geist mal so richtig schön zu entrümpeln. 

Wenn sich viel ansammelt, beschwert uns das. Man hat das Gefühl festzuhängen, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und man weiß nicht, wo man anfangen soll. 

Geh doch jetzt mal ganz systematisch durch dein Leben und schau, was du loswerden kannst, um dich leichter zu fühlen. 

Lass dir Raum zum Atmen. Wir neigen dazu uns mit Terminen zu überladen. Jetzt grad ist es besonders wichtig, dass du in deinem Terminkalender auch mal Platz nur für dich einbaust. Was wär jetzt mal mit einem kleinen Digital Detox. Lass doch einfach mal einen Sonntag lang das Handy aus und schau, was es mit dir macht. 

 

Muss ich jetzt detoxen?

 

Der Übergang vom Winter zum Frühling ist die klassische Zeit für einen Detox, also eine Entgiftungskur. Die ayurvedische Form des Detox ist das sogenannte Panchakarma, eine Kur mit verschiedenen Anwendungen zur äußerlichen und innerlichen Reinigung. Aber du musst jetzt nicht gleich nach Indien fliegen um eine Reinigungskur zu machen. Auch daheim kannst du schon eine Menge tun. Grundsätzlich wird im Ayurveda nicht komplett gefastet. Eher wird hier eine Monodiät mit leicht verdaulichem Essen empfohlen. Das klassische ayurvedische Detox-Gericht ist Kitchari, ein Gericht aus Mungdal (geschälten halbierten Mungobohnen) und Reis. In einem meiner nächsten Artikel werde ich mal über meinen letzten Detox berichten, dann erfährst du mehr darüber.

 

Jetzt hab ich dir ganz viel erzählt, wie du dein Kapha reduzieren kannst. Ich möchte Kapha aber hier nicht generell verteufeln. Kapha ist besonders wichtig für Stabilität und Erdung. Kapha kann uns wieder auf den Teppich holen, wenn Pitta oder Vata durchdrehen. Kapha sorgt für Stabilität in Freundschaften und Beziehungen und Menschen mit viel Kapha in der Grundkonstitution sind besonders verlässlich. Also sende deinem Kapha ein kleines Lächeln und ein bisschen Dankbarkeit.

 

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Tipps geben, wie du dein Kapha jetzt ein wenig besänftigen kannst. Wenn du magst, lass mir doch einen Kommentar da, ob du etwas für dich umsetzen konntest, oder was du gegen zu viel Kapha unternimmst. 

 

Namaste,

 

deine Nadine